„Die wahren gelben Engel“

Mertesheim: Seit 20 Jahren bringen Lotsen Kinder über die Straße –Feier mit Ehrungen

Mit Warnweste und Kelle bei Wind und Wetter auf der Landstraße – seit 20 Jahren führt der Mertesheimer Lotsendienst Kindergarten- und Grundschulkinder sicher über die Eistalstraße zur gegenüberliegenden Bushaltestelle. Das 20. Jubiläum haben die Ehrenamtlichen am Samstag mit einem kleinen Fest in der Gemeindehalle gefeiert.

„Die Sicherheit liegt uns allen hier sehr am Herzen. Vor allem in Anbetracht der hohen Unfallzahlen in der Umgebung.“ Die Mertesheimer Ortsbürgermeisterin Doris Nitzsche betonte in ihrer Rede die Wichtigkeit des Lotsendienstes in dem Dorf. Dank der täglichen Kontrolle fühle man sich einfach besser. Auch Kreisbeigeordneter Frank Rüttger lobte die Lotsen: „Zuverlässig, pflichtbewusst, entschlossen, pünktlich und hilfsbereit.“ Es sei keine Selbstverständlichkeit, jeden Morgen bei jedem Wetter Autos anzuhalten, um Kindern ein sicheres Überqueren zu gewährleisten. „Das sind die wahren gelben Engel“, so Rüttger.Zusammen mit Jürgen Kemp, Leiter der Kreisverkehrswacht Bad Dürkheim-Nord, und dem Ortsbeigeordneten Michael Lässig ehrte Rüttger 25 Personen, die im Lotsendienst tätig waren und noch sind. Insgesamt besteht die ehrenamtliche Gruppe derzeit aus 13 Lotsen. „Wir wechseln uns ab, jeden Tag sind es zwei andere, die die Kinder um 7.30 Uhr über die Straße lassen“, sagte Lotsen-Vorsitzender Sven Keßler. Große Probleme mit Autofahrern gebe es nicht, der Großteil wisse inzwischen, dass in Mertesheim jeden Morgen zur gleichen Zeit dieselbe Prozedur stattfindet. Bei den Freiwilligen handelt es sich ausschließlich um Eltern oder Großeltern der Kinder. Einige sind schon von Anfang an dabei. So zum Beispiel Traudel Waßner, die früher unter anderem ihre eigenen Kinder gelotst hat – und nun ihre Enkel sicher über die Straße bringt.
„Die Initiative im Jahr 1995 kam von den Eltern. In einer Schulkonferenz wurde über die Einführung eines solchen Lotsendienstes entschieden“, informierte Kemp. „Um zum Einsatz zugelassen zu werden, muss man zuerst von der Polizei in einem Theorieteil ausgebildet werden. Schließlich erlernt man durch die Verkehrswacht das Praktische.“ Die Idee hatte damals sofort großen Anklang gefunden. So werden seitdem wöchentlich etwa 60 Kinder über die Straße geleitet.

Mertesheim gilt beim Lotsendienst als Vorreiter für unsere Region: 1999 führte Kirchheim solch einen Dienst ein, im Jahr 2000 Carlsberg, 2011 folgte Weidenthal.

Keßler, selbst Vater von drei Kindern, blickt für den Mertesheimer Lotsendienst zuversichtlich in die Zukunft: „Nun, im Neubaugebiet sind die Geburtenraten momentan relativ hoch“. Und Lässig ergänzte: „Ich glaube, solange Kinder zur Bushaltestelle müssen, gibt es auch unseren Lotsendienst noch.“ (hofi)

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