Das 2. VG Fest der Verbandsgemeinde Leiningerland und das Mertesheimer Jubiläum 1250 plus 2 Jahre.

Ortsbürgermeister Waßner bei seiner Festrede. Im Hintergrund die Kolpingskapelle aus Ramsen.
Am ersten Juniwochenende wurde an zwei Tagen in Mertesheim groß gefeiert. Samstags hatte die Verbandsgemeinde Leiningerland unter dem Motto „Das Leiningerland live erleben“ zu einem umfangreichen Programm eingeladen. Sehr viele Gäste haben an diesem Tage den Weg nach Mertesheim gefunden und sehr lange gefeiert. Für Sonntag hatte die Ortsgemeinde Mertesheim zu ihrem verspäteten Ortsjubiläum (Corona bedingt) eingeladen. Der Tag begann mit einem gut besuchten ökumenischen Gottesdienst im Festzelt am Dorfgemeinschaftshaus mit den beiden Pfarrern Tiator und Fischer. Musikalisch gestaltet wurde dieser von dem Posaunenchor der Stadtmission aus Grünstadt. Bei Dank gilt allen Beteiligten.

In wenigen Minuten beginnt der Gottesdienst der beiden Konfessionen und dem Posaunenchor!
Nach der Begrüßung am Nachmittag durch mich als Ortsbürgermeister und Grußworten von Bürgermeister Rüttger kam die Kolpingskapelle aus Ramsen zum Einsatz. 15 Musiker unterhielten die anwesenden Gäste mit flotten Rhythmen. Außer einer großen Auswahl von Getränken wurden zur Kaffeezeit, Kaffee und leckerer, selbstgebackener Kuchen zum Verkauf angeboten. Unsere Erzieherinnen der Krippengruppe “Feldmäuse“ boten Waffeln an. Nach dem Auftritt der Kolpingskapelle kam der Einsatz unserer kleinsten und ihren Erzieherinnen mit Tanz und Gesang. Die zahlreich anwesenden Eltern, Großeltern und die übrigen Gäste waren begeistert von ihrem Auftritt, was die Kinder sichtlich genossen. Den ganzen Tag über begleitete uns wieder Hans Jürgen Schultz als Moderator, der gekonnt durchs Programm führte. Er führte viele Interviews und sammelte interessante Information, Daniel Lässig unterhielt musikalisch. Bei unserem Jubiläum kamen auch unsere Backfreunde aus Altrip zum Einsatz. Diese haben in unserem Backhaus Brot zu gebacken, welches käuflich erworben werden konnte. Außerdem erhielten interessierte Besucher wichtige Tipps von den Backprofis aus Altrip.
Hier wird fleißig gebacken!

Hier das fertige Produkt!

Wir bekamen immer wieder zu hören, dass die Vorbereitung und der Ablauf der beiden Tage ein voller Erfolg waren. Dazu beigetragen haben vor allem unsere Gemeindebedienstet, welche im Dauereinsatz waren, die vielen ehrenamtlichen Helfer/innen, die für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben. Es war eine Werbung für unsere Ortsgemeinde, wofür ich mich herzlichst bedanken möchte. Sei es bei den Kuchen Spendern, den Helfern beim Auf- und Abbau, oder bei der Bewirtung. Manche Bürger und Bürgerinnen waren sogar mehrere Tage im Einsatz. Unser Caterer der fliegenden Italiener, hat uns sowohl samstags und sonntags mit einer großen Auswahl an Speisen versorgt. Mein Dank gilt auch Bürgermeister Rüttger, Jörg Schifferstein und den Bediensteten der Verbandsgemeinde Leininger Land für die Ausrichtung des 2. VG Tages in Mertesheim am Samstag. Weiterhin möchte ich mich natürlich bei den vielen auswärtigen Gästen bedanken, welche den Weg zu uns gefunden haben und natürlich bei der Firma Bender, Herbert Toews und den Eigentümern der ehemaligen Spedition Frank, welche ausreichend Parkraum zur Verfügung gestellt haben und somit ein Chaos in unserer Gemeinde vermieden haben. Mein größter Dank gilt den vielen Mertesheimer/innen und ehemaligen Mertesheimer/innen, welche unserer Einladung gefolgt sind und mitgefeiert haben.
Es grüßt Ortsbürgermeister Waßner, bleiben oder werden Sie gesund!!
Wer möchte eine Festschrift von Mertesheim mit sehr viel Informationen?
Anläßlich unseres Jubiläums haben wir im Jahre 2021 eine Festschrift mit insgesamt 128 Seiten herausgebracht. Der Inhalt informiert ausführlich über Wissenswertes unserer Ortsgemeinde von 771 bis aktuell und ist mittlerweile für einen Sonderpreis von 6,00 € zu erwerben. Auf Wunsch kann diese auch auf dem Postwege (gegen Porto) zugestellt werden. Es lohnt sich, greifen sie zu!

Wie entstand der Name Mertesheim?
Von Meldrisheim nach Mertesheim – 1250 Jahre Namensgeschichte
von Norbert und Simone Benninghoff, September 2021
Das 1250-jährige Dorfjubiläum, das wir in diesem Jahr feiern können, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Namensgeschichte Mertesheims, denn das Jubiläum geht zurück auf die erste bekannte urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 771 im Lorscher Kodex. Der Lorscher Kodex wurde etwa im Zeitraum von 1170 bis 1195 angelegt und umfasst die Abschriften von mehr als 3800 verloren gegangenen Urkunden aus dem Archiv der ehemaligen Reichsabtei Lorsch (Minst, 1970). In der Urkunde aus 771 wird Mertesheim erstmals als Meldrisheim erwähnt. Der tatsächliche Zeitpunkt der Entstehung von Mertesheim liegt wohl zwischen den Jahren 450 und 600, da in diesem Zeitraum die Orte der Vorderpfalz, deren Namen auf „-heim“ enden von Franken gegründet wurden (Christmann, Siedlungsnamen der Pfalz (Teil III);, 1958).
Lange Zeit ging man davon aus, die erste urkundliche Erwähnung von Mertesheim stamme aus dem Jahr 1196. Hier wird ein Ritter namens Hugo von Mertinesheim als Zeuge in einer Schenkungsurkunde erwähnt. Es wird beurkundet, dass Alberadis, die Witwe eines Grafen, ihren Anspruch auf Einkünfte aus Tauf- und Begräbnisrechten in Kindenheim an die Liebfrauenkirche in Wadgassen stiftete (Glasschröder, 1903).
Erst als Karl Glöckner die Urkunden des einstigen Klosters Lorsch zwischen 1929 und 1936 neu veröffentlichte, stellte sich heraus, dass Mertesheim bereits 771 im Lorscher Kodex genannt ist (Glöckner, 1929-1936). Hier allerdings als Meldrisheim. Bis dato ging man davon aus, dass es sich bei dem genannten Meldrisheim um Mölsheim in Rheinhessen handelt. Im Lorscher Kodex und im Weissenburger Liber Possessionum wurden Urkunden sowohl zeitlich als auch räumlich geordnet. Die Urkunden, die vor und nach den Dokumenten zu Mertesheim genannt sind, beziehen sich auf Quirnheim, Ebertsheim, Lautersheim und Rodenbach. So konnte Glöckner schlussfolgern, dass es sich bei dem genannten Meldrisheim um Mertesheim und nicht um Mölsheim handelt. (Dolch & Greule, 1991)
Die Urkunde von 771 berichtet von der Schenkung mehrerer Grundstücke, die eine Frau namens Baldrad aus Mertesheim an das Kloster machte. Unter den Grundstücken war auch ein Weinberg, was beweist, dass in dieser Zeit bereits Weinbau in Mertesheim betrieben wurde. 773 (Minst, 1970) taucht Mertesheim erneut als Meltridesheim im Lorscher Kodex auf. Hier wird von einer weiteren Schenkung von Bilifried berichtet. Aus diesen Namensformen hat sich über verschiedene andere Namen (siehe rechts) das heutige Mertesheim entwickelt. Die Namensformen Martinesheym, Martinsheim und Martinisheim aus den Jahren 1180, 1267 und 1311 sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die heutige Valentinskirche vor 1683 dem heiligen Martin geweiht war (Christmann, Brief an die Gemeindeverwaltung Mertesheim, 1960).
Urkundlich erwähnte Namensformen
Jahr Namensform (Dolch & Greule, 1991)
771 Meldrisheim marca (CL 1254)
773/74 Meltridesheim marca (CL 1253)
836 Merteinshein(Calmet Sp.cvi)
891-914 Mertesheim(Wo. UB III 224)
10.Jh. Meldridesheim (Lib.Poss. c.85) (Dette, 1987)
1180 Martinesheym (Jb. D.Ges. f. Lothr.Gesch. u. Altertkde. 15, 1903, 309)
1196 Hugo von Mertinesheim (R.Zw.19)
1214 Hugo de Merdensheim(Abteien II 323)
1221 Hugo de Mertinisheim(LA Sp, C 35/353)
1264 Mertinisheim (GI.U.475)
1267 Martinsheim (Papstbulle; Annuaire de la Societé d’Hist. Et d’Archéol. De la Lorriane, 91.Jg., 1977, S. 92)
1270 Godefridus de Merthinsheim(St.A Luzern, Gatt.-App.Nr. 144)
1281 Mertensheim (R.Spon.I 110)
1288 Gotpfridus de Mertensheim(HStA Mü III, K. 112.1 Nr. 21)
1300 Merthinsheim (Kirschgarten 57)
1311 Martinisheim (GI.U.492)
1318 Mirttinsheim (HStA Mü, Rhpf.Urk.2061)
1359 Mertensheim (HStA Mü, Rhpf.Urk.1471)
1395 Mertinshem/HStA Mü III, HU 2517)
144 Mertisheim (HStA Mü III, OA Neustadt 60)
1511 Mertesheim(LA Sp, C 35/1072)
1797 Mertisheim(Schmitt’sche Karte 31)
Literaturverzeichnis
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Kleinschweinfurt, der Schweinehandel in Mertesheim – Im Eistal blühte der Handel mit dem Borstenvieh
Die Rheinpfalz: Artikel in der Unterhaardter Rundschau vom Mittwoch, 26. September 2007, Gaby Sprengel

In loser Folge begibt sich die RHEINPFALZ auf Spurensuche der Uznamen für Ortschaften und deren Bewohner in der Region. Werden die Spitznamen oftmals – wegen wahrer Begebenheiten oder auch lediglich wegen vermuteten Vorkommnissen – auf die gesamte Einwohnerschaft eines Ortes übertragen, haben wir es heute ausnahmslos mit dem Dorfnamen selbst zu tun. Die heute etwa 415 Einwohner zählende Eistalgemeinde Mertesheim hatte – bis mindestens in die Sechsziger Jahre hinein – den äußerst bekannten Beinamen „Klein-Schweinfurt“.
In der Tat geht der Uzname auf einen über viele Jahrzehnte florierenden Schweinehandel im Ort zurück, der wohl seine „Blütezeit“ in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebte und das einst landwirtschaftlich geprägte kleine Mertesheim „weithin bekannt machte“. Begonnen hat der aufblühende Geschäftszweig vermutlich mit der Eistalbahn und dem Bau des Teilabschnitts Grünstadt-Eisenberg, der im Juni 1876 eröffnet wurde. Im November 1932 kam der Abschnitt Eisenberg-Enkenbach hinzu, wobei die Züge teilweise bis nach Kaiserslautern weiterfuhren. Zu jener Zeit war die Trasse vor allem für die Wirtschaft der Region wichtig – und damit wohl auch für Mertesheim.
Zur „Hochzeit“ soll es in Mertesheim 18 Schweinehändler gegeben haben, die – immer wieder sonntags und gut gekleidet – das rosafarbene Borstenvieh vom auf einer leichter Anhöhe gelegenen Mertesheimer Bahnhof die Hauptstraße hinab mit den Rufen „Hussassa“ in die jeweiligen Stallungen führten, berichtet Norbert Benninghoff, ehemaliger Ortsbürgermeister und Heimathistoriker. Knapp 100 Jahre lang dürfte der Schweinehandel in Mertesheim, erstmals urkundlich 771 als Meldrisheim erwähnt, betrieben worden sein. Thomas Lauck, der 81-jährig im Jahr 1960 verstarb, war, so berichtet seine Tochter Herta Herbst, der letzte Mertesheimer Schweinehändler. Er übte seine Tätigkeit noch bis ins hohe Alter aus und bemühte sich sogar um einen Nachfolger, den es zur Zeit der Wirtschaftswunderjahre jedoch nicht mehr gab.
Meistens übernahm der älteste Sohn einer Familie vom Vater den Schweinehandel, erzählt Herta Herbst. Die Schweine seien mit der Bahn meist aus Norddeutschland gekommen und auf dem zweiten Gleis („Verladebahnhof“) des Mertesheimer Bahnhofs ausgeladen worden
Auch ein Tierarzt sei sonntags bei der Ankunft ständig präsent gewesen. Das florierende Geschäft soll insbesondere vor dem Zweiten Weltkrieg für einigen Wohlstand gesorgt haben. So konnten sich zumindest einige Händler statt eines Pferdefuhrwerks ein motorisiertes Gefährt leisten.
Warum der „Schweine-Umzug“ durch den Ort gerade sonntags stattfand, hat einen plausiblen Grund. Ihr Vater Thomas Lauck und Händler-Kollegen, so berichtet Herta Herbst, fuhren meist an den Freitagen und Samstagen in die Großstädte auf die Schweinemärkte, um ihre Bestellungen zu ordern. Sonntags liefen dann die Güterwagen in Mertesheim ein, montags begaben sich die Mertesheimer Händler – anfänglich noch mit Pferdefuhrwerken – in die Gegenden um Worms und in den Großraum Kaiserslautern. Was aber hatte nun „Klein-Schweinfurt“ Mertesheim mit dem großen, heute rund 54.300 Einwohner zählenden, für seine Metall verarbeitende Industrie bekannten Schweinfurt am Main (Unterfranken) zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel – der lateinische Name Porcivadum (Schweinfurt hieß unter anderem einst Sweinvort und Suinfurte, dann Schweinfurt) entspricht dem Sinn einer „für Schweine gangbare Furt“, eine „Furt, an der sich (Wild)-Schweine aufhalten“. Gedeutet und abgeleitet wird der Name von dem bekannten Borstenvieh (von einer überstarken Population findet sich keine Erwähnung) und von einer „Furt“, einer begehbaren seichten Stelle im Fluss (in diesem Falle vermutlich der Main)
Hält man sich das sonntägliche Schauspiel in der Eistalgemeinde aus heutiger Sicht vor Augen, dann kann man die Mertesheimer Hauptstraße von damals durchaus als eine „kleine Schweinefurt“ bezeichnen.
Seilbahn und Steinbruch in Mertesheim
In den 1920er Jahren gab es in Mertesheim eine Besonderheit. Quer über das Dorf, vom ehemaligen Kalksteinbruch auf der nördlichen Talseite bis zum Bahnhof in Mertesheim, führte eine Materialseilbahn. Die im Steinbruch abgebauten Kalksteine wurden dort in Züge verladen und zur Firma Gebrüder Giulini in Ludwigshafen weitertransportiert.

Der Firmengründer Georg Otto Giulini, ein 1858 in Mannheim geborener Chemiker, war Vorreiter des sogenannten nassen Aufschlusses von Bauxit (Tonerde) im Aluminium- Herstellungsverfahren und benötigte Kalksteine in großen Mengen. (Kipnis, kein Datum). Bis ins Jahr 1923 bezog Gebr. Giulini den Kalksteinbedarf aus verschiedenen Abbaugebieten z.B. in der Pfalz, aus dem Neckartal und Müllheim in Südbaden. Zu einem großen Teil wurden die Kalksteine von Weinbauern im Nebenerwerb verkauft. Diese Struktur führte allerdings in der Hochinflation der 20er Jahre zu einer Knappheit, da der Weinbau und -verkauf lukrativer war als das Geschäft mit den Kalksteinen. Die Winzer stellten daraufhin den Kalksteinhandel zu Gunsten des Weinbaus ein (Blauer Band Chronik III der Firma Giulini). Gebr. Giulini sah sich also gezwungen eigene Kalksteinbrüche zu erschließen.
Einen Steinbruch gab es in Mertesheim schon vor dieser Zeit. Der erste bekannte schriftliche Nachweis über den Steinbruch stammt aus dem Jahr 1867. Im Buch: „Bavaria: Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern“. Hier wird über Muschelkalkvorkommen in einem Steinbruch in Mertesheim berichtet. (Heyberger, 1867)
Am 7. April 1889 gibt es erneut eine Erwähnung des Steinbruchs. Hier erschien ein Bericht über einen tödlichen Unfall in der Pfälzer Presse. Damals verunglückte der 73-jährige Georg Schwind aus Mertesheim. (Der 73-jährige Tagner Georg Schwind, 1889)
Anfang der 1920er Jahre erwarb Gebr. Giulini den Steinbruch in der Gemarkung „Hintere Gewanne“ und hatte die Bestrebung, die Abbaulogistik durch eine Materialseilbahn zu verbessern. Die geplante 1,2 km lange Seilbahn sollte vom Kalksteinbruch über das Eisbachtal zur Eisenbahnstation Mertesheim führen. Teil des Bauvorhabens war auch eine Überbrückung der Eistalstraße an dem Punkt, an dem die Seilbahn die Fahrbahn überquert, um den Straßenverkehr vor herabfallendem Material zu schützen. Der Antrag zur Errichtung der Seilbahn, mit Überbrückung der damaligen Bezirksstraße, wurde am 9. August 1922 beim Bayerischen Bezirksamt in Frankenthal gestellt.

Der Bau verzögerte sich allerdings durch einige Unstimmigkeiten. So erteilte ein Grundstückseigentümer, der in Rüdesheim wohnte, nicht die Genehmigung zur Überquerung seines Grundstückes an der Eistalstraße, da er u.a. der Meinung war, dass die Seilbahn eine Verschandelung des ganzen Landschaftsbildes sei. Auch kursierten im Dorf Gerüchte darüber, dass es sich bei den erworbenen Grundstücken um Spekulationsobjekte handle und dass Seilbahnpfosten auf privaten Grundstücken errichtete werden sollten. Das widerlegte die Firma Giulini allerdings in einem Schreiben an den Gemeinderat im Februar 1922 (Gebrüder Giulini G.m.b.H., 1922). Aufgrund der Bauverzögerung setzte Gebr. Giulini im selben Jahr die zuvor vereinbarte Zahlung an die Ortsgemeinde aus. Die Genehmigung zum Errichten und Betrieb der Seilbahn wurde schließlich erst am 17. Mai 1927 vom Bayerischen Bezirksamt in Frankenthal erteilt (Bayerisches Bezirksamt Frankenthal, 1927). Mit dem Bau wurde allerdings schon weit vorher begonnen. So kann man auf einer alten Luftaufnahme, die 1925 in Grünstadt aufgenommen wurde, schon die Pfosten der Seilbahn in Mertesheim erkennen
Außerdem ist in dem Genehmigungsschreiben vermerkt, dass eine jährliche Gebühr zur Nutzung der Eistalstraße in Höhe von 50 R.M. für die Aufstellung der Überbrückung, rückwirkend ab 1924, an die Bezirkskasse in Grünstadt zu zahlen war. Man kann also annehmen, dass mit dem Bau der Überbrückung 1924 begonnen wurde.
Das Genehmigungsschreiben von 1927 zum Bau der Seilbahn gewährt interessante Einblicke in die Arbeitsschutzauflagen der damaligen Zeit. Beim Bau der Seilbahn waren unter anderem folgende Auflagen zu erfüllen:
- Außer zu Revisions- und Instandhaltungszwecken dürfen keine Personen befördert werden. Die maximale Geschwindigkeit zu diesem Zweck beträgt dann 1 m/s (3,6 km/h).
- Für die Be- und Entladestation müssen wettergeschützte, geheizte Unterkunftsräume mit ausreichend Sitzgelegenheiten, je einer Toilette und gesundes Trinkwasser vorhanden sein.
- Die elektrische Licht- und Kraftanlage hat den vom Verbande deutscher Elektrotechniker herausgegebenen Sicherheitsvorschriften zu entsprechen.
- Im Übrigen sind die einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften der Steinbruchsberufsgenossenschaft in allen Teilen gewissenhaft zu beachten, besonders die
- Bestimmungen über Seilbahnen und über den Schutz von bewegten Maschinenteilen.
- Die Überbrückung der Bezirksstraße ist senkrecht unter dem Kreuzungspunkte der Förderbahn mit der Bezirksstraße, aus Eisenbeton […] herzustellen. Die freie Durchgangshöhe […] ist […] 5,5 m groß zu machen.
Aus einem Schriftverkehr zwischen dem Gewerbeaufsichtsbeamten für die Pfalz-Nord und dem Bezirksamt in Frankenthal vom 16. November 1927 (Der Gewerbeaufsichtsbeamte für die Pfalz-Nord, 1927) geht hervor, dass die Personenbeförderung in der Seilbahn offenbar ein heikles Thema war. Ursprünglich hatte die Firma Giulini die Auflage für Wartungs- und Revisionsarbeiten eigens für die Personenbeförderung vorgesehene Förderwagen anzuschaffen. Dies erschien der Firma Giulini zu kostspielig und sie einigte sich mit dem Gewerbeaufsichtsbeamten darauf, ein bereits vorhandenes Fördergefäß zum Revisionswagen umzubauen. Hierzu passt eine mündlich überlieferte Anekdote. So soll es im Steinbruch in Mertesheim einen äußerst unbeliebten Vorarbeiter gegeben haben. Er soll jeden Mittag zur Mittagspause die Seilbahn genutzt haben, um ins Dorf zu gelangen und zu Hause sein Mittagessen einzunehmen. Eines Tages wollten ihm Steinbrucharbeiter einen Denkzettel verpassen und ließen ihn die ganze Mittagspause über dem Eistal in einer Gondel hängen.
Gemessen am Aufwand für die Errichtung der Seilbahn war sie nur kurz, von 1924 bis 1931, in Betrieb. Die abgebauten Mengen an Kalkstein zwischen 1924 und 1928 betrugen 53 790 t. Je 10 Tonnen abgebauter Kalksteine zahlte die Firma Gebr. Giulini 1 Mark an die Gemeinde Mertesheim. Im Jahr 1931 wurde der Kalksteinbruch mit Seilbahn stillgelegt, da der Abraumanteil des abgebauten Gesteins stieg und sich der Steinbruch damit nicht mehr wirtschaftlich führen ließ. Als Zeitzeugen vergangener Tage sind heute noch die meisten Seilbahnpfosten außerhalb des Mertesheimer Ortskerns vorhanden. Wer sich auf den Spuren der Vergangenheit bewegen möchte, kann ihnen, ausgehend von der Eistalstraße, gegenüber der Einmündung in die Hauptstraße, bergauf in Richtung Norden folgen. Am Ende angekommen, befindet man sich in der Senke des ehemaligen Steinbruchs. Heute gehört das ehemalige Abbaugebiet zum „Ökokonto“ Mertesheim, eine vom Land Rheinland-Pfalz ausgewiesene Fläche, die vom Landesbetrieb für Mobilität in Worms betreut wird. Sie dient als Ausgleichsfläche für Baumaßnahmen in der Umgebung. Auf dem 23 ha großen Biotopkomplex soll sich die Natur weitestgehend ohne äußere Eingriffe frei entfalten können.