Die Mertesheimer Kindertagesstätte, ein Auszug aus der 1250 Jahre Festschrift
Am 2.9.1998 öffnete die Mertesheimer Kindertagesstätte (KiTa) im Dorfgemeinschafts- haus ihre Tore. Es war ein langer Weg bis zur Eröffnung der KiTa. Bis zu diesem Zeitpunkt besuchten die 2,5 bis 6-jährigen Kinder des Dorfes gemeinsam mit dem Nachwuchs aus Quirnheim, Quirnheim-Tal und Boßweiler die Einrichtung in Quirnheim.
Wie alles begann…
Der Wunsch der Mertesheimer nach einer eigenen Kita wurde zunächst von der Fachabteilung der Kreisverwaltung abschlägig beschieden. Die Behörde ging davon aus, dass die erforderliche Mindestgröße von 15 Kindern in absehbarer Zeit nicht erreicht würde. Die Gemeinde, allen voran Bürgermeister Gerhart Schreiner, setzte sich jedoch weiterhin und vehement für die KiTa ein und konnte die Behörden schließlich überzeugen. Der Jugendhilfeausschuss genehmigte am 17.4.1994 die Kleinstgruppe als Grenzfall unter dem Aspekt einer „ortsnahen Kinderbetreuung“.
Die erforderlichen Räumlichkeiten wurden in die Planungen zum Neubau eines Gemeindezentrums einbezogen; Synergieeffekte konnten damit genutzt werden. Die Finanzierung lief über Zuschüsse, Verkauf von gemeindeeigenem Baugelände sowie in Eigenleistung.
Die erste Hürde kam, als der vorausgesagte Kinderzuwachs – zumindest nach Meinung der Behörden – ausblieb und die Bezirksregierung die Notwendigkeit der Einrichtung Anfang Dezember 1997 erneut in Frage stellte. Die Eröffnung der KiTa, welche auf den 2.2.1998 terminiert war, wurde aus diesem Grund auf den 2.9.1998 verschoben. Die Gemeinde und Verbandsgemeinde mussten in dieser Zeit nochmals darlegen, dass die Auslastung dieser KiTa-Gruppe sichergestellt ist. Die Idee, mit Kindern aus Obersülzen die Lücken in Mertesheim zu schließen, scheiterte am dortigen Elternwillen. Am 4.6.1998 schien eine Lösung gefunden. Der Jugendhilfeausschuss billigte ein Konzept, wonach die KiTas in Mertesheim und Quirnheim in einem Personalverbund betrieben werden konnten. Der Abschluss einer entsprechenden Zweckvereinbarung, welche von Seiten der Kreisverwaltung als Voraussetzung für die Realisierung der Gruppe in Mertesheim gefordert wurde, sah vor, dass mit der Eröffnung der Gruppe in Mertesheim gleichzeitig eine Gruppe in Quirnheim schließt. Die Mertesheimer Kinder sollten vormittags von Erziehern betreut werden, nachmittags auf freiwilliger Basis von Eltern. Während der Quirnheimer Rat die Vereinbarung
billigte, gaben die Mertesheimer ihren Wunsch nach einer eigenen Ganztagsbetreuung vor Ort nie auf. Der Gemeinderat beschloss im Juni 1998, die KiTa mit eigenen bzw. zusätzlichen Planstellen zu betreiben; die Vereinbarung wurde mehr oder weniger unter Zwang im August 1998 gebilligt, jedoch nie durch die Gemeinde unterzeichnet.

Am 2.9.1998 war es endlich soweit und die KiTa öffnete unter Leiterin Eva Lorenz mit 16 Kindern ihre Türen. Auch in der Folge blieb die Mertesheimer KiTa umstritten; sie erreichte nicht die Mindestgruppengröße von 15 Kindern und dementsprechend auch nicht den vorgegebenen Personalbestand. Die Gemeinde bemühte sich um die Genehmigung dieses Modells. Leider ohne Erfolg: Die Bezirksregierung teilte im Jahr 1999 mit, dass die Unterschreitung des Regel-Personalschlüssels nicht genehmigt wird. In der Folge nahm der Jugendhilfeausschuss des Kreises im Jahr 2004 die Mertesheimer KiTa nicht mehr in seinen Bedarfsplan auf. Dies hatte zur Folge, dass für die KiTa keine Zuschüsse mehr flossen und diese letztlich geschlossen werden musste. Die Bemühungen des damaligen Ortsbürgermeisters Norbert Benninghoff, der sein Anliegen direkt beim Ministerpräsidenten Kurt Beck vortrug, blieben ohne Erfolg. Die KiTa wurde zum August 2004 geschlossen. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Räumlichkeiten von der örtlichen Krabbelgruppe und den Senioren genutzt.

Durch die wachsende Zahl an Kindern gab es 2020 eine erneute Kehrtwende. Nachdem für das neue KiTa-Jahr insgesamt 85 Anmeldungen in Ebertsheim vorlagen, kam es hier zu Platzproblemen. Ortsbürgermeister Waßner hatte daraufhin schon frühzeitig in einer ersten Besprechung im Januar 2020, in Anwesenheit der zuständigen Behörden, die leerstehenden Räumlichkeiten in Mertesheim als zusätzlichen Standort angeboten. Nach einer Infoveranstaltung haben sich auch die Mertesheimer Eltern für die Wiedereröffnung der Außenstelle in Mertesheim sehr stark engagiert. Nach einer Prüfung durch die Kreisverwaltung wurde festgestellt, dass eine altersgemischte Gruppe in Mertesheim nicht möglich sei, da zu viele zweijährige Mertesheimer Kinder einen Platz benötigen. Von Seiten der Ortsgemeinde Ebertsheim wurde daraufhin geplant, eine Gruppe von Kindern in den gemeindeeigenen Räumlichkeiten in der Schulturnhalle in Ebertsheim unterzubringen. Dies stieß bei den betroffenen Eltern auf wenig Gegenliebe. Daraufhin wurde das Modell einer Krippengruppe als Außenstelle in Mertesheim geboren. Bis zur Eröffnung am 24.08.2020 mussten einige Umbauten gemacht werden. So wurde Richtung Osten ein zweiter Notausgang geschaffen, Warmwasser für den Toiletten-/Duschbereich wurde neu installiert, die Sicherheiten an den Fenstern wurden erneuert, Treppenaufgänge und die Empore wurden verbessert sowie weitere Veränderungen wurden auf Vorgaben des Brandschutzes und der Unfallkasse vorgenommen.
Schließlich ist die KITA seit 24.08.2020 für 2-3-jährige Kinder ganztags wieder geöffnet. Sie ist nun eine offizielle Außenstelle der KiTa „Lachend Leben Lernen“ in Ebertsheim. Bis spätestens Sommer 2021 sollen dann 15 Kinder aus den Gemeinden Ebertsheim, Rodenbach, und Mertesheim die Krippengruppe besuchen, so Claudia Amodeo, Leiterin der KiTa in Ebertsheim. Originell wirkt die Galerie im großen Gruppenraum, die zu einem gemütlichen Nest unter dem schrägen Dach führt. In Mertesheim sind zurzeit drei Erzieherinnen beschäftigt. Zur Mittagszeit wird frisch gekocht und gemeinsam gegessen. Die Feldmäuse, so wird die Gruppe in Mertesheim genannt, haben viel zu entdecken.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Räumlichkeiten endlich wieder für den Zweck genutzt werden, für den diese gebaut wurden. Hinzu kommt, dass der Spielplatz am Gebäude erst 2019 mit neuen Spielgeräten versehen wurde. Somit wurde eine tolle Einrichtung geschaffen, in der sich die Kinder wohlfühlen, so Ortsbürgermeister Kurt Waßner.