Sehenswertes

Bilder aus Mertesheim

Katholische Kirche St. Valentin: Im Jahre 2004 wurde unsere Kirche 500 Jahre alt. Nach einer aufwendigen Renovierung wurde dieses Jubiläum gebührend mit Weihbischof Otto Georgens gefeiert.
Der Brunnen am Rathaus, einer von drei Brunnen, welcher mit Quellwasser versorgt wird.
Brunnen mit Quellwasser und mehreren Ruhebänken in der Mitte von Mertesheim!

Die Mertesheimer Lourdesgrotte wurde von dem Landwirt Thomas Lauck und seiner Frau Babette, geborene Scherer, im Jahr 1928 am Haus der Familie in der Hauptstrasse errichtet. Sie bildet .fast originalgetreu die Grotte in Massabielle bei Lourdes ab. Dort soll dem Hirtenmädchen Bernadette Soubirous am dem 11. Februar 1858 die Heilige Maria erschienen sein. Die Lourdesgrotte in Mertesheim wurde am 14. Februar 1929 vom Speyerer Bischof Dr. Ludwig Sebastian eingeweiht. Früher wurde an der Grotte bei besonderen kirchlichen Festen eine Andacht abgehalten. Die Lourdesgrotte wird heute von der Familie Dr. Herbert Toews gepflegt und in der dunklen Jahreszeit auch beleuchtet.

Mertesheim, unser wunderschöner Ort, fotografiert von der Südseite aus!

Feuerwehr, Kindergarten und Dorfgemeinschaftshaus,die Einweihung fand 1998 statt!

Das alte Rathaus, welches schon seit Jahrzehnten der Mertesheimer Vogelschutzverein nutzt und auch unterhält. Eine enorme finanzielle Entlastung für unsere Ortsgemeinde. Mein Dank dafür!

Unser Backhaus am Dorfgemeinschaftshaus. Dieses habe ich im Jahr 2021 mit Zuschüssen bauen lassen.

Geschichte Valentinskirche Mertesheim

Die St. Valentinskirche in Mertesheim steht zusammen mit dem Rathaus im Zentrum unseres Dorfes. Anlässlich des 1250-jährigen Dorfjubiläums wollen wir einen Blick auf die bewegte Geschichte der St. Valentinskirche werfen. Erbaut wurde die Kirche wahrscheinlich im 8. Jahrhundert [1]. Damals war sie allerdings dem Hl. Martin geweiht. Erstmalige Erwähnung findet die Kirche in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 836 [2]. Hier wird sie dem Martinskloster in Glandern bei Metz geschenkt, um den Mangel an notwendigem Bedarf der Mönche wie z.B. Unterhalt und Kleidung zu decken. [3] Es stellte sich allerdings später heraus, dass diese Urkunde ein Fälschung war. Eine echte Urkunde mit gleichbedeutendem Inhalt stammt aus dem Jahr 875. [4] Im Jahr 1212 begann das Kloster Glandern schließlich mit Genehmigung des Bischofs Lupold von Worms die Einkünfte der Gemeinden Grünstadt und Mertesheim zu verwenden. [5] Im Jahr 1504 wurde der westliche Teil der Kirche gebaut. Im nachfolgenden Grundriss ist dieser Teil schwarz markiert.

Eine Erweiterung um den östlichen Teil erfuhr die Kirche unter Pater Linus In den Jahren 1681 bis 1683 (im Grundriss schraffiert dargestellt) erweitert [6]. Anlässlich der Wiedereröffnung der Kirche im Jahr 1683 wurde sie unter das Patronat des heiligen St. Valentin gestellt und ist seitdem die uns heute bekannte St. Valentins Kirche.  

Aus alten Aufzeichnungen geht hervor, dass die Kirchengemeinde Mertesheim nach diesem Umbau einen Aufschwung erlebte und sich zum Wallfahrtsort wandelte. Als Wallfahrtskirche stattete man sie mit zahlreichen Kunstwerken aus und anlässlich des 200jährigen Jubiläums 1704 wurden der Hochaltar und die Kanzel errichtet. Um die Bedeutung als Wallfahrtsort weiter zu untermauern erteilte Papst Pius VI 1794 gegen die Zahlung von 10 Gulden einen päpstlicher Ablass.

Nach der Erweiterung der Kirche im späten 17. Jahrhundert und der intensiven Nutzung als Wallfahrtsort war es rund 200 Jahre später nötig, die Kirche zu renovieren. Kleinere Maßnahmen, wie ein neuer Boden- und Dachbelag, sowie frische Wandfarbe, unternahm man im Jahr 1890. Scheinbar waren diese Maßnahmen allerdings eher optischer Natur, denn im Jahr 1908 musste die Kirche polizeilich geschlossen werden, da „der Dachstuhl einzustürzen drohte und größere Mauerteile baufällig sind“ [6]. Hierzu gibt es einen anschaulichen Text aus dem Protokollbuch des Fabrikrates in Mertesheim [7]:

Aus dem Protokollbuch des Fabrikrates zu Mertesheim ab Mai 1899 (Seite 14)

Sitzung des Fabrikrates vom 14. Oktober 1901

Heute den 07. Oktober des Jahres 1901 versammelte sich der Fabrikrat von Mertesheim zur Besichtigung der hiesigen Kirche. Von der selben muss folgendes gesagt werden:

  1. Das Mauerwerk der Kirche steht namentlich auf der Südseite ca. 3 Fuß tief im Boden. Infolge dessen und besonders auch deshalb, weil der Untergrund (Lehm und Kalk) sehr wasserhaltig ist, sind die Mauern samt dem Bodenbelag von Feuchtigkeit und Nässe ganz durchsetzt. Im Winter überzeiht sich der Boden und das Mauerwerk mit einer Eiskruste. Dies geschieht so oft die Luft in der Kirche unter den Gefrierpunkt herabsinkt. Folgt Tauwetter, so ist die Kirche voller Nässe und Feuchtigkeit und er Aufenthalt in derselben sehr bedenklich für die Gesundheit.
  2. Der Turm in einem Dachreiter bestehend, ist in seinem Gebälk morsch und faul. Sine Zusammenbruch ist nur eine Frage der Zeit. Das Bedenkliche dabei ist, dass er gerade über dem Hochaltar sitzt. Sein Absturz während des Gottesdienstes würde gefährlich werden.
  3. Hinter dem riesigen, mit den kleinen Verhältnissen des Kirchleins nicht mehr korrespondierenden Hochaltars, ist in einem hölzernen Kasten die Turm = der Gemeinde = Uhr angebracht. Das Gerassel und Geräusch der Uhr beim Stundenschlag ist einzig in seiner Art, dabei aber ohrenzerreißend uns sinnbetäubend, der Wandlung des hl. Messopfers durchaus unwürdig. Fremde Leute, die zufällig in der Kirche sind, müssen bei dem Spektakel unwillkürlich lachen.
  4. Der Totaleindruck der Kirche ist beim erstmaligen Besuch sehr deprimierend. Man sagt mit Recht: „Eine schlechtere Kirche wird nicht leicht zu finden sein.“. Der Fabrikrat und die Katholiken von Mertesheim haben am 7. Juli des Jahres einen Kirchenbauverein gebildet, um die Kapitalien zur Erbauung einer neuen Kirche aufzubringen.

Hierüber Protokoll

Nachdem die Mängel an der Kirche festgestellt waren, erfolgte die Restaurierung nach den Plänen des Architekten W. Schulte von August bis November 1909. Dabei wurden neue Fenster eingesetzt, ein neuer Schornstein in der Sakristei eingezogen, der Dachreiter (Kirchturm) versetzt, eine alte Taufkapelle abgerissen, der Hochaltar umgebaut und der Fußboden in der Kirche um ½ Meter angehoben, damit der Boden oberhalb des Bodenniveaus der Umgebung lag. Außerdem wurden zwei neue Glocken dem heiligen Martin und dem heiligen Valentin geweiht und das Kreuz im Kirchhof errichtet, das an die Renovierung und Wiedereröffnung 1910 erinnern soll.

In den 60er Jahren entfernte man zwei Seitenaltäre in der Kirche. Für den Gottesdienstbesuch gab es ab 1992 eine große Veränderung: Bis zu diesem Jahr diente ein altes, durch Fußpedale betriebenes Harmonium zur musikalischen Begleitung der Gottesdienste. 1992 erhielt die Valentinskirche eine neue Orgel mit sechs Registern und 480 Pfeifen.

Die letzte große Renovierung erfolgte 2004 anlässlich der 500-Jahr-Feier. Die Umgestaltung umfasste hauptsächlich den Innenraum der Kirche  – mit dem Ziel die Kirche in eine Weg-Kirche zu gestalten, die den Besucher zum Hochaltar leitet. Den Beginn des Weges bilden im Eingangsbereich seitdem das Taufbecken, das Evangelienbuch vor dem von Prof. Johannes Schreiter neu gestalteten Fenster und der Beichtstuhl als Symbol des Neuanfangs. Vom Eingangsbereich wird der Besucher durch das Kirchenschiff, vorbei an neu platzierten Kunstwerken, zum Chorraum und dem Hochaltar als Wegziel geleitet.

[1] Die Kunstdenkmäler der Pfalz VIII, Stadt und Landkreis Frankenthal; bearbeitet von Anton Eckardt; 1939; Druck und Kommissionsverlag von R. Oldenbourg, München

[2]RI I n. 962, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0836-05-15_1_0_1_1_0_2077_962
(Abgerufen am 10.11.2020).

[3]RI I n. 1514, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0875-11-21_1_0_1_1_0_3450_1514
(Abgerufen am 10.11.2020).

[4] RI I n. 1514, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0875-11-21_1_0_1_1_0_3450_1514
(Abgerufen am 10.11.2020).

[5]Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster im jetzigen Rheinbayern, Band 2, Seite 76; Franz Xaver Remling; 1836; Neustadt an der Haardt,

[6] 500 Jahre St. Valentinskirche Mertesheim; Katholische Kirchengemeinde St. Valentin; 2004; Mertesheim

[7] Protokollbuch des Fabrikrates zu Mertesheim ab Mai 1899, Seite 14; Sitzung des Fabrikrates vom 14. Oktober 1901

Mühlen in Mertesheim

von Brigitte Echter

Neben der Schweinezucht gab es im 18. und 19. Jahrhundert in Mertesheim auch vier Mühlen, wie auf der Homepage von Eberhard Ref zu lesen ist. (Ref, 2019)

Abb. Nr411: Eisbach an der ehemaligen Mahlmühle                

Pulvermühle

Die Mertesheimer Pulvermühle lag am Eisbach im westlichen Teil des Dorfes auf einer Insel im Bach. 1735 ist die „alte Pulvermühle“ in der Flurkarte von Mertesheim vermerkt. Pulvermüller war ein Gerhard Bauer. In einer Pulvermühle wurden die zur Pulverherstellung notwendigen Zutaten Holzkohle, Schwefel und Salpeter gemahlen oder zerkleinert und zu einer explosiven Mischung zusammengestellt. Da die zur Herstellung von Holzkohle häufig benutzten Faulbäume besonders in Tallagen anzufinden waren und die meisten Pulvermühlen mit Hilfe von Wasserkraft angetrieben wurden, lagen die Mühlen großteils an Fließgewässern. Wegen der Explosionsgefahr wurden diese Mühlen außerhalb von Ortschaften angelegt.

Obermühle (Papiermühle)

Die Obermühle, am Grünstadter Weg gelegen, war eine Papiermühle. Papiermühlen lagen wegen des Gestanks und des Lärms oft etwas außerhalb. Die Papierherstellung mit Lumpen stellte eine große Belastung für die Umwelt dar, da durch das Waschen der Lumpen sehr viel Schmutzwasser anfiel, das in die Gewässer zurückgeleitet wurde. Die Lumpen wurden in Wasser eingeweicht, damit sie faulen. Anschließend wurde diese Masse von einem vom Mühlrad angetriebenen Stampfgeschirr mechanisch zerkleinert und in einzelne Fasern zerlegt, woraus der Faserbrei zum Schöpfen entstand. Die geschöpften Papierstücke wurden dann stapelweise in einer Presse vorgetrocknet und danach in Einzelblätter in gut durchlüfteten Räumen der Papiermühle zum Trocknen aufgehängt.

1757 erhielt Martin Burckhardt aus Mertesheim das Monopol für den Lumpenankauf (Grundstoff in der damaligen Papierproduktion). 1762 wurde ihm gestattet in Mertesheim eine Papiermühle zu errichten. Seine Mertesheimer Papiermühle wurde 1770 von Franz Bohlander erworben und er vererbte diese bei seinem Tod 1828 an seine Tochter Johanna Bohlander. Die Obermühle wurde vom Quellwasser des Oberwiesenbrunnens mittels unterirdischer Wasserleitungen betrieben.

Mahlmühle (Getreidemühle)

Die hiesige Mahlmühle war mit zwei Mahlgängen und einem Schälgang ausgestattet. Der Mahlgang ist das Herzstück einer Getreidemühle. Viele Mühlen haben mehrere Mahlgänge, z.B. einen für Schrot und einen weiteren für Feinmehl, oder auch mit einem sogenannten Schälgang zur Herstellung von Graupen (geschälte Gersten- oder Weizenkörner). So auch die Mertesheimer Mahlmühle. Diese Mühle ist schon in der Flurkarte des Dorfes von 1735 eingezeichnet und zwar am östlichen Dorfrand an der Einmündung der Hauptstraße in die heutige Eistalstraße und lag auf einer zwischen Eisbach und Mühlgraben gelegenen Insel – unweit der Pulvermühle.

Abb. Nr411: Eisbach an der ehemaligen Mahlmühle                  

Der Schultheiß Johann Stephan Werle von der Bruchmühle in Quirnheim übernahm die Mahlmühle in Mertesheim 1772 und betrieb die Mühle bis zu seinem Tod 1794. Die Mühle wurde seinem Sohn Franz Karl Werle übertragen. Bis 1815 war Franz Karl Werle der Müller in Mertesheim. Am 13.08.1815 übergaben die Eltern dem damals 19-jährigen Sohn Johann Georg Werle die Mahlmühle am Eisbach, dazugehörend ein Wohnhaus, Hof, Stallung, Schuppen und Garten. Mit der wirtschaftlichen Ertragskraft der Mühle stand es jedoch offensichtlich nicht zum Besten und die Versteigerung war unabwendbar. Die Mühle wurde 1827 von Johannes Balz ersteigert.               

Am 30.8.1829 kaufte der Ackersmann Carl Breitenbruch von der Erbengemeinschaft nach Johannes Balz die Mahlmühle mit zugehörigem landwirtschaftlichem Grundbesitz zu einem Kaufpreis von 5417 fl (Kaufvertrag Breitenbruch, 1829). Eigentümer ist 1841 der Müller Karl Breitenbruch.

In den Anmerkungen des Urkatasters ist eine Verpflichtung zur Unterhaltung des Eisbachs vermerkt: „… Besitzer hat die Obliegenheit auf sich, von seiner Mühle bei Plan Nr. 45 an bis zu Plan Nr. 401 den Eisbach zu reinigen und dessen Ufer zu unterhalten.“ (Urkataster Mertesheim)

  • Untermühle (Glasurmühle)

Die Untermühle lag am östlichen Ende des „Grünen Weges“, auch Brandhof genannt, in der Ortsmitte von Mertesheim gegenüber der Kirche St. Valentin, am hinteren Teil dieses Weges und war eine Glasurmühle. Um das irdene Geschirr gebrauchsfähig zu machen, kam Glasur zum Einsatz. Die Töpfer stellten diese selbst her. Die Glasur bestand vorwiegend aus Quarzsand, dem Grundstoff des Glases. Die Gefäße wurden nicht immer vollständig glasiert. Es wurden verschiedene Qualitäten produziert, die natürlich auch unterschiedliche Preise hatten.

Eigentümer der Mertesheimer Glasurmühle war 1841 die Fabrikbesitzerin Bordollo, geb. Didier, Witwe von Wilhelm Bordollo.

Auffallend ist, dass diese Mühle nicht am wasserreichen Eisbach, sondern am südlichen Berghang lag. Das Quellwasser vom Grünstadter Berg wurde zum Antrieb der Mühle verwendet – analog zur Obermühle. Es gab unterirdische Rohrleitungen und das Mühlrad wurde vom Wasser, das aus einem Rohr in die Höhe stieg, angetrieben. Leider ist von keinem dieser Triebwerke eine Spur übriggeblieben. Am 18.4.1879 ließen die Erben des verstorbenen Fabrikbesitzers Bordollo, dessen in Mertesheim gelegene Mühlen, die Obermühle und die Untermühle, versteigern. Die Mühle wurde anscheinend irgendwann abgerissen. Im Urkataster von Mertesheim von 1841 ist sie noch vermerkt.

Literaturverzeichnis

Kaufvertrag Breitenbruch, K 16 Nr. 2, Urkunde Nr. 393 (Notariat Best, Grünstadt 30. August 1829).

Ref, E. (18. März 2019). Homepage von Eberhard Ref. Abgerufen am 09. Januar 2021 von Verzeichnis der pfälzischen Mühlen: https://www.eberhard-ref.net/pf%C3%A4lzisches-m%C3%BChlenlexikon/pf%C3%A4lzische-m%C3%BChlen-u-m%C3%BChlorte/maikammer-mettweiler/

Urkataster Mertesheim, Best. W 41 Nr. 2380 S35 (Landesarchiv Speyer).